Ein guter Wein rundet ein gutes Menü erst ab. Und zu gewissen Speisen passt das geisthaltige Getränk einfach viel besser als jedes andere. Eine bayrische Brotzeit ohne die Maß ist in etwa genauso unvollkommen wie eine Zwischenmahlzeit aus Baguette und feinen französischen Käsesorten ohne ein Gläschen Roten. Doch auch für andere Gerichte wird Wein zitiert. "Der Fisch muss schwimmen" heißt es im Volksmund und gemeint ist damit ein herber Weißwein. Zu Wildbraten trinkt man gerne ein Glas des roten Weines, der auch die Soße verfeinert und deftiger Lammbraten mit mediterranen Kräutern und viel Knoblauch verlangt ebenfalls nach einem mediterranen Vino. Eine gute Mahlzeit ohne die alkoholische Begleitung ist also unvollkommen? Nicht unbedingt, denn es gibt auch Alternativen zum Alkohol.
Um die richtige Begleitung zu einem schönen Menü zu finden, kann man nämlich nicht nur aus den sogenannten geisthaltigen Getränken wählen. Puristen und Gourmets schwören sowieso auf klares, stilles Wasser um den Geschmack nicht zu verfälschen oder zu überdecken. Doch wer wirklich gerne Wein zum Essen will, dem bleibt alkoholfreier Wein als Alternative. Was zunächst paradox klingt, ist einfach das Ergebnis einer Nachbereitung ganz normaler Weine. Nach seinem üblichen Reifungsprozess, der nun mal auch aus Gärung besteht, die den Alkohol bildet, kann dem nun schmackhaften und reifen Wein der Alkohol durch ein chemisches Verfahren wieder entzogen werden. So sind in den letzten Jahren neben den schon etablierteren alkoholfreien Schaumweinen einige interessante alkoholfreie Weine entstanden, die auch zu einem exklusiven Mahl taugen. Vielleicht lohnt es sich, diese bei einer der nächsten geplanten Weinproben einmal zu probieren!
Durch einen Restalkoholgehalt sind alkoholfrei Weine und Sekte nicht für Abstinenzler gemacht, sondern für gesundheitsbewusste Personen, Autofahrer, Schwangere und stillende Mütter oder einfach Überzeugungsabstinenzler, wie etwa aus religiösen Gründen. Ihre Verbreitung ist allerdings noch nicht sehr groß, hauptsächlich unter den deutschen Weinen findet man auch alkoholfreie Sorten. Am ehesten wird man danach wohl noch in den USA fündig, bekannte Genießernationen wie Italien und Frankreich haben diese Weine bisher nicht im Angebot. Dabei schmecken sie ganz gut, denn der Wein war ja bereits ausgereift und enthält so die gleichen Geschmacksstoffe wie sein alkoholhaltiges Pendant. Nur weil der Alkohol ein Geschmacksträger ist, wird man beim Verkosten einen Unterschied feststellen können, der für echte Weinkenner und -genießer wahrscheinlich unakzeptabel ist. Besonders interessant sind die alkoholfreien Sorten auch für Diabetiker und Figurbewusste, denn ohne Alkohol hat Wein einen wesentlich geringeren Kaloriengehalt.
Weinfreunde aus Leidenschaft werden aber auf einen schönen Wein mit Alkohol und vollem Geschmack um keinen Preis verzichten wollen. Der Alkoholgehalt wäre ja an sich nicht wichtig, doch über das Verdünnen mit Wasser zu einer Weinschorle am Nachmittag hinaus lassen sie sich nicht zu Kompromissen beim Genuss der edlen Tropfen hinreißen. So wird auch in exklusiven Restaurants viel Wert auf die richtige Auswahl der Weine zum Menü gelegt. Oft wird sogar ein eigener Haussommelier beschäftigt, um die richtigen Weine zu den Menüs auszuwählen. Die Weinkarte eines Hauses ist jedoch meist regional geprägt und nicht zuletzt auch von der Zielgruppe, den Stammgästen eines Lokals, abhängig. Sind die Speisen regional geprägt, wird sicher keine internationale Auswahl auf der Speisekarte stehen. Dabei findet man oft genug einen wirklich passenden Wein regional gesehen auf der anderen Seite der Welt. So passt zum Beispiel ein Gewürztraminer aus dem Elsass mit seinem herben aber süßlichen Geschmack ganz hervorragend zu fernöstlichen Gerichten und exotischen Speisen. Und ein chilenischer Rotwein kann zu einer griechischen Moussaka oft viel besser passen als ein entsprechender "Landsmann". Es kann sich also lohnen, in puncto Wein auch mal die ausgetretenen Pfade zu verlassen, sei es bezüglich des Alkoholgehalts oder einfach nur der Region.