Fastfood

Mood Food

Zwar trägt der (noch etwas zaghafte) Sommer einiges dazu bei, dass die Stimmung sich hebt. So manchen Morgen ist die schlechte Laune aber einfach übermächtig und lässt den Sonnenschein unangenehm grell, die Hitze zu groß und die Leute zu verschwitzt erscheinen. Wie schön wäre es, wenn man die gute Stimmung einfach löffelweise zu sich nehmen könnte. Das sogenannten Mood Food verspricht eine solche Wirkung auf die Esser. Doch Ernährungsexperten raten beim Verzehr zur Umsicht, denn das angeblich so gesunde Essen kann sogar krank machen, warnen Ernährungsexperten.

Genießen und sich etwas Gutes tun, eigentlich eine ideale Kombination. Dem Wunsch kommt die Industrie entgegen und bringt immer mehr Nahrungsmittel auf den Markt, die nicht nur gesund sein sollen, sondern durch ganz spezielle Wirkweisen auf das persönliche Wohlgefühl wirken sollen. "Das ist jedoch nur sehr bedingt richtig, denn de facto gibt es auch durchaus einzelne wissenschaftlich belegte Negativeffekte, etwa bei probiotischen Joghurts, die von den Leuten im guten Glauben gekauft werden, oder bei Nahrungsmitteln, die für teures Geld in den Reformhäusern erworben werden", sagte der Ernährungsmediziner Maximilian Ledochowski.

Nahrung, die krank macht

So berichtet der Mediziner von Fällen, in denen Herzklappen ausgetauscht werden mussten, weil probiotische Keime, also Bakterien, diese zerstört hatten. Auch bei der ausschließlicher Ernährung durch Produkte aus dem Reformhaus könne es vorkommen, dass Konsumenten einen Reizdarm entwickelten. Und Lebensmittel, die laut Werbung "die Abwehrkräfte stärken", können entzündungsauslösend wirken, berichtet Ledochowski.

Das grundsätzliche Problem liege aber eher darin, glaubt der Mediziner, dass die Menschen in einer übersättigten Überflussgesellschaft vergessen hätten, zu erfühlen, was ihnen gut tut. Dabei sei das doch eigentlich der einfachste Weg. Man müsse sich nur darauf besinnen, was die Großmutter serviert und was damals so köstlich geschmeckt hätte. Denn:" Künstliche Aromen und ebensolche Geschmacksstoffe sind ein Betrug an den Geschmackssensoren. Auch Reformhausprodukte sind nicht unbedingt notwendig. Ein naturbelassener Apfel aus dem Supermarkt tut es auch", sagte Ledochowski.

Schmecken will gelernt sein

Aber so einfach ist das häufig gar nicht. Denn Menschen könne das Schmecken auch verlernen. Wissenschaftler wissen inzwischen, dass ein Teenager noch über 9.000 Geschmacksknospen verfügt, bei einem alten Menschen sind es hingegen nur noch rund 4.000. Doch nicht nur das Alter wirkt dem Geschmackssinn entgegen, auch die falsche Ernährung tut ihr Übriges. Denn die vielen Aromastoffe in der Fertignahrung sorgen besonders bei Kindern dafür, dass der Geschmack abstumpft. Das Kind erlernt nur den Geschmack des künstlichen Aromas und weiß den Geschmack einer echten Erdbeere nicht mehr zu schätzen.

Aber man kann den Geschmack auch wieder schulen. Ein paar einfache Regeln dafür: frische Lebensmittel essen statt zu vieler aromatisierter Produkte, kleine Bissen nehmen statt große Brocken zu verschlingen, sorgfältig kauen und die Nahrung gut mit Speichel durchmischen und auf starke Gewürze und zu viel Salz verzichten.

Das Auge isst mit

Der wiedergefundene Geschmack – z.B. ein frisches Brot mit geräuchertem Schinken mit einem Glas Rotwein in der Abendsonne genossen - kann in ruhigen Momenten schon für ein Glücksgefühl sorgen. Essen allerdings als Stimmungsaufheller zu nutzen, die prompt wirken, funktioniert nicht. Allenfalls Zucker hat eine solche Wirkung, die jedoch schnell wieder nachlässt und ungesunde Nebenwirkungen hat. Mittel- bis langfristig kann aber gesunde Kost durchaus etwas für die gute Stimmung tun. Ernährungsexperten raten zu abwechslungsreicher Kost, die mit Kräutern und Gewürzen verfeinert ist. Außerdem sollte regelmäßig und bewusst gegessen werden. Dabei hilft, wenn auch das Auge mitessen darf. Egal ob die Tafel feines Porzellan und elegante Weingläser zieren oder rustikale Brettchen und Bottiche aus Steingut - eine einladende Tafel macht gute Laune und macht das Essen wertvoller. Wer sich jeden Tag ein bisschen Zeit zum Schmecken nimmt, hat schon viel gewonnen.